Montségur Autorentreffen 2012

Früher pflegten Hexen einsam in ihren Waldhütten vor sich hin zu werkeln, ihre Zauber zu wirken und ihre Tränklein zu brauen. Hexe sein war ziemlich einsam, denn die nächste Kollegin wohnte bestenfalls im Nachbarwald, wahrscheinlich jedoch Tagesreisen entfernt. Natürlich konnte man Rezepte für Heilsalben per Boten tauschen, doch das alles ersetzt nicht die Möglichkeit, eine andere Hexe von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Daher schwangen sich die Hexen einmal im Jahr Ende März auf ihre Besen und flogen zum Blocksberg, wo sie verschiedene Meetings abhielten und sich wieder einmal als Mitglied der internationalen Hexengemeinschaft fühlen konnten.

So ähnlich wie den Hexen der früheren Tage geht es uns Montségur – Autoren und Autorinnen auch, die wir täglich allein vor unseren Computern sitzen. Natürlich kann man sich über das Internet über die Schreiberei austauschen, und dennoch: Schreiben ist eine recht einsame Tätigkeit. Es tut gut, andere Autoren und Autorinnen leibhaftig zu treffen und über Sorgen und Segen unseres (meistens) wundervollen Berufs zu reden. Schreiben ist keine Hexerei, darum treffen sich die Montségur- Autorinnen und Autoren statt zum Hexensabbat  jedes Jahr Ende September in Oberursel zum Autorentreffen.

Es gab Vorträger zu nützlichen Themen, zum Beispiel wie man sich an den nicht so guten Tagen trotzdem dazu bringt, sich an den Schreibtisch zu setzen und am Roman weiter zu arbeiten. Denn ein Buch zu schreiben dauert ja ungefähr ein Jahr und die Zeit kann einem manchmal schon ziemlich lang vorkommen. Falls jemand jetzt einwendet: Man sollte nur schreiben, wenn es einen wirklich lockt! – Natürlich geht das, nur dauert es dann nicht mehr ein Jahr ein Buch zu schreiben sondern drei oder fünf oder zehn und so lange möchte kein Leser auf das neueste Buch warten, oder?

Parallel zu den Vorträgen fanden Workshops statt. An einem dieser Workshops, es ging um Charakterentwicklung,  konnte ich teilnehmen. Die langweiligste Person in einer Geschichte wird plötzlich spannend, wenn man ihr eine Vorgeschichte andichtet und sich überlegt, warum sie so handelt wie sie handelt. Natürlich weiß man so etwas eigentlich, wenn man Romane schreibt. Gemeinsam mit zwei Dutzend Romanautorinnen und Autoren aus wirklich faden Gestalten die skurilsten Charaktere zaubern, das ist allerdings schon eine echtes Erlebnis!

Natürlich gabe es auch einen Büchertisch, auf dem jeder Autor seine eigenen Bücher auslegen und gegen andere Bücher von diesem Tisch tauschen konnte. Frostengel, Mondherz, Magyria und das Schloss der Engel sind meine Ausbeute von diesem Jahr und ich freue mich schon sehr darauf, die Bücher zu lesen.

Ich weiß jedenfalls schon, wo ich nächstes Jahr im September bin!